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Gasanlage im Wohnmobil: Sicherheit, Prüfung & G607
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Gasanlage im Wohnmobil: Sicherheit, Prüfung & G607

Technik & Sicherheit

Wohnmobil Gasanlage: Sicherheit, Prüfung & G607

Die Gasanlage ist das Herzstück jedes Wohnmobils – sie versorgt Herd, Heizung und Kühlschrank zuverlässig. Doch nur eine regelmäßig geprüfte Wohnmobil Gasanlage ist eine sichere Anlage. Hier erfahren Sie alles über Aufbau, G607-Gasprüfung, Flaschentypen und richtigen Betrieb.

Unabhängige Beratung Fachbetrieb-Empfehlungen Geprüfte Informationen

Die Wohnmobil Gasanlage gehört zu den sicherheitsrelevantesten Systemen im Reisefahrzeug. Flüssiggas (LPG) liefert die Energie für Kochen, Heizen und Kühlen – und das auch dort, wo kein Landstrom verfügbar ist. Damit dieses System zuverlässig und ohne Risiko funktioniert, sind Aufbau, Wartung und regelmäßige Prüfung nach DVGW-Arbeitsblatt G607 entscheidend. Dieser Ratgeber erklärt alle relevanten Aspekte verständlich und praxisnah. Weiterführende Informationen zur Heizanlage finden Sie in unserem Artikel Wohnmobil Heizung im Vergleich.

Aufbau der Wohnmobil Gasanlage

Eine typische Gasanlage im Wohnmobil besteht aus mehreren aufeinander abgestimmten Komponenten, die zusammen ein geschlossenes Drucksystem bilden:

Gasflaschen und Gasfach

Die Gasflaschen befinden sich in einem belüfteten, gasdichten Fach, das bei einem Defekt Gas nach außen ableitet – nicht in den Wohnbereich. Typische Füllmengen liegen zwischen 2 kg und 11 kg. Das Gasfach muss gemäß EN 1949 konstruiert sein und darf keine Öffnungen zum Innenraum aufweisen. Mehr zum Thema Flaschen und Verbrauch lesen Sie in unserem Beitrag Gasflasche wechseln & Gasverbrauch berechnen.

Druckregler

Der Druckregler reduziert den Flaschendruck (bis zu 30 bar) auf einen konstanten Arbeitsdruck von 30 mbar. Fahrzeuge mit Automatikumschaltventil wechseln beim Leerlaufen der aktiven Flasche automatisch auf die Reserveflasche – praktisch auf Langzeittouren. Druckregler müssen alle zehn Jahre ausgetauscht werden (Herstellervorgabe).

Leitungen und Armaturen

Gasleitungen aus Stahl oder Kupfer sind fest verlegt. Flexible Anschlussschläuche (z. B. zu Herd oder Heizung) haben eine begrenzte Lebensdauer von in der Regel fünf Jahren und müssen regelmäßig auf Risse, Verfärbungen und Porigkeit geprüft werden. Alle Verbindungsstellen müssen gas- und leckagedicht sein.

Gasverbraucher

Typische Verbraucher sind:

  • Gaskocher (2- oder 3-flammig, 1–3 kW je Brenner)
  • Absorberkühlschrank (betrieben mit Gas, 12 V oder 230 V)
  • Gasheizung (z. B. Truma Combi oder Alde Hydronic)
  • Boiler / Warmwasserbereiter

Jeder Verbraucher verfügt über ein eigenes Absperrventil. Im Fahrbetrieb empfehlen Hersteller und viele Versicherungen, alle Gasventile zu schließen – mit Ausnahme von Kühlschrank und zugelassenem Gasbetrieb während der Fahrt.

Gasflaschen-Typen im Überblick

Stahl, Aluminium oder Composite – jeder Flaschentyp hat seine eigenen Vor- und Nachteile für den Wohnmobileinsatz.

🔩
Klassiker

Stahlflasche

Günstig in Anschaffung und Tausch, weit verbreitet (z. B. Campingaz, Butan/Propan-Flaschen). Nachteil: hohes Eigengewicht (bis 15 kg bei 11-kg-Füllung), Rost möglich.

🪶
Leichtgewicht

Aluminiumflasche

Deutlich leichter als Stahl (ca. 30–40 % weniger Gewicht), korrosionsbeständig, langlebig. Beliebte Größen: 5 kg und 11 kg. Höherer Kaufpreis, aber langfristig wirtschaftlich.

🌿
Premium

Composite-Flasche

Leichteste Option (Kunststoffmantel mit Glasfaserwicklung), transluzenter Körper für Füllstandsanzeige. Ideal für Gewichtsbewusste. Höchster Anschaffungspreis, aber maximaler Komfort.

Wichtig: Butangas verliert bei Temperaturen unter ca. 0 °C stark an Druck und eignet sich nicht für den Winterbetrieb. Propangas bleibt bis ca. –42 °C nutzbar und ist daher die richtige Wahl für Kälteperioden. Im Handel erhältliche Camping-Mischgas-Flaschen enthalten häufig ein Propan-Butan-Gemisch.

Die G607-Gasprüfung: Wer, wann, wie viel?

Die Prüfung der Flüssiggasanlage nach DVGW-Arbeitsblatt G607 (früher auch als VP 607 bekannt) ist die anerkannte Norm für Wohnmobile und Wohnwagen in Deutschland. Sie legt fest, wie eine Gasanlage auf Dichtheit, Funktion und Zustand zu prüfen ist.

Prüfintervall

Das G607-Arbeitsblatt empfiehlt eine Prüfung alle zwei Jahre oder nach jeder wesentlichen Änderung an der Anlage (z. B. Austausch von Leitungen, Einbau neuer Verbraucher). Viele Hersteller und Campingverbände empfehlen, den Rhythmus sogar auf jährlich zu verkürzen – insbesondere bei älteren Fahrzeugen.

Wer darf prüfen?

Die G607-Prüfung darf ausschließlich von anerkannten Fachbetrieben durchgeführt werden – in der Regel spezialisierte Wohnmobil-Werkstätten, Caravan-Händler mit Servicewerkstatt sowie vom DVGW zertifizierte Gasfachleute. Laien dürfen keine Gasprüfung im Sinne der Norm durchführen. Nach bestandener Prüfung erhalten Sie einen Prüfaufkleber und ein Prüfprotokoll, das im Fahrzeugdossier aufzubewahren ist.

Ablauf der Gasprüfung

Bei der G607-Prüfung werden typischerweise folgende Punkte überprüft:

Sichtprüfung

  • Zustand aller Leitungen und Schläuche
  • Belüftung und Dichtigkeit des Gasfachs
  • Zustand von Regler, Armaturen und Verbrauchern
  • Ablaufdatum von Flexschläuchen und Regler

Druckprüfung

  • Leckagedichtheitstest (Druckabfall-Methode)
  • Überprüfung des Arbeitsdrucks am Regler
  • Funktionsprobe aller Absperrventile
  • Kontrolle der Verbrennungsluft-Versorgung

Kosten der G607-Gasprüfung

Als Richtwert für eine Standardprüfung ohne Mängel sollten Sie mit ca. 80 bis 150 Euro rechnen (inkl. MwSt.). Werden Mängel festgestellt und behoben (z. B. Schlauchwechsel, Dichtungstausch), kommen entsprechende Material- und Arbeitskosten hinzu. Preise variieren je nach Betrieb und Fahrzeug.

Freiwillig – oder faktisch Pflicht?

Die G607-Gasprüfung ist in Deutschland keine gesetzliche Pflichtuntersuchung wie die Hauptuntersuchung (TÜV/DEKRA). Sie ist jedoch in vielen Kontexten faktisch unverzichtbar:

  • TÜV/Hauptuntersuchung: Sicherheitsrelevante Mängel an der Gasanlage können zur Mängeleinstufung führen. Eine aktuelle G607-Prüfbescheinigung stärkt Ihre Position.
  • Wohnmobilvermietung: Vermieter sind verpflichtet, Fahrzeuge in technisch einwandfreiem Zustand bereitzustellen. Eine G607-Bescheinigung ist branchenübliche Pflicht.
  • Versicherung: Im Schadensfall kann eine fehlende oder veraltete Gasprüfung zur Leistungskürzung führen.
  • Campingplätze: Einige Betreiber – insbesondere in Frankreich und den Niederlanden – fordern den Nachweis einer aktuellen Gasprüfung.

Gasverbrauch typischer Verbraucher

So viel Gas verbrauchen die häufigsten Wohnmobil-Aggregate – als Orientierungswert für die Reiseplanung.

VerbraucherLeistungVerbrauch ca.Hinweis
Gaskocher (1 Brenner)1–3 kW70–220 g/hAbhängig von Flammenstellung
Absorberkühlschrankca. 100 Wca. 30–50 g/hBetrieb ohne Strom
Gasheizung Truma Combi 44 kWca. 290 g/hVollast; Teillast deutlich weniger
Gasheizung Truma Combi 66 kWca. 430 g/hVollast bei sehr niedrigen Temperaturen
Boiler (Warmwasser)2–4 kWca. 140–290 g/hNur während Aufheizphase

Praxistipp: Eine 11-kg-Propanflasche reicht bei moderatem Betrieb (Kochen + gelegentliches Heizen) oft für ein bis zwei Wochen. Im Winter mit dauerhaftem Heizbetrieb kann der Vorrat in zwei bis vier Tagen aufgebraucht sein.

Sicherheit: Gaswarner, Crashsensor & Lüftung

Moderne Wohnmobile sind mit einer Reihe von Sicherheitssystemen ausgestattet, die das Risiko einer Gasvergiftung oder Explosion minimieren. Folgende Komponenten sind besonders wichtig:

⚠️

Gaswarner / Gasdetektor

Ein Gasdetektor erkennt austretende Gase (LPG, CO) bereits bei geringen Konzentrationen und löst einen akustischen Alarm aus. Empfehlenswert: Geräte, die sowohl Flüssiggas als auch Kohlenmonoxid erkennen. Montage nahe am Boden (LPG ist schwerer als Luft).

🛡️

Crashsensor / Gasmagnetsicherheitsventil

Der Crashsensor schließt bei einem Unfall automatisch das Gashauptventil. Einige Fahrzeuge verfügen zusätzlich über ein elektromagnetisches Absperrventil, das beim Motorstart die Gaszufuhr unterbricht. Beides sind wichtige passive Sicherheitssysteme.

💨

Belüftung des Gasfachs

Das Gasfach muss nach außen belüftet sein – mit Öffnungen, die das austretende Gas sicher nach unten ableiten. Öffnungen niemals blockieren oder abkleben. Regelmäßige Sichtprüfung auf Verstopfungen durch Schmutz oder Insektennester.

Hinweis: Arbeiten an der Gasanlage dürfen ausschließlich von anerkannten Fachbetrieben durchgeführt werden. Eigenreparaturen oder eigenmächtige Umbauten sind aus Sicherheitsgründen und versicherungsrechtlichen Gründen nicht zulässig. Wenden Sie sich bei Gasgeruch sofort an einen Fachbetrieb.

Winterbetrieb: So funktioniert die Gasanlage bei Kälte

Im Winter stellt die Gasanlage besondere Anforderungen an Fahrzeug und Nutzer. Folgende Punkte sind entscheidend für einen reibungslosen Winterbetrieb:

Propan statt Butan

Butangas verdampft unterhalb von ca. 0 °C kaum noch – die Anlage liefert keinen oder zu wenig Druck. Wählen Sie für den Wintercamping-Einsatz ausschließlich Propangas oder ein Propan-dominantes Gemisch. Reine Butan-Campingaz-Flaschen sind für Wintertemperaturen ungeeignet.

Gasfach frostfrei halten

Das Gasfach selbst darf nicht isoliert oder beheizt werden. Kondenswasser und Eis im Fach können Ventile einfrieren. Überprüfen Sie bei Minusgraden regelmäßig die Funktion des Umschaltventils.

Heizungsanforderungen im Winter

Bei dauerhaftem Heizbetrieb (z. B. Truma Combi 4 oder 6) steigt der Gasverbrauch erheblich. Planen Sie genügend Gasvorrat ein und informieren Sie sich über Nachfüllmöglichkeiten an Ihrer Winterreiseroute. Weiterführende Tipps zur Wohnmobil-Heizung finden Sie in unserem Vergleichsartikel.

Regler und Schläuche prüfen

Kälte macht Gummischläuche spröde. Vor der Wintersaison empfiehlt sich eine Sichtprüfung aller Flexleitungen – idealerweise als Teil der G607-Gasprüfung beim Fachbetrieb.

Häufige Fragen zur Wohnmobil Gasanlage

Die wichtigsten Fragen – klar und kompakt beantwortet.

Wie oft muss die Gasanlage im Wohnmobil geprüft werden?
Das DVGW-Arbeitsblatt G607 empfiehlt eine Prüfung alle zwei Jahre. Viele Experten und Hersteller raten bei intensiver Nutzung oder älteren Fahrzeugen zu einem jährlichen Intervall. Nach größeren Umbauten an der Gasanlage ist immer eine Neuprüfung erforderlich.
Ist die G607-Gasprüfung gesetzlich vorgeschrieben?
Die Gasprüfung nach G607 ist in Deutschland keine gesetzliche Pflicht im Sinne einer behördlichen Pflichtuntersuchung. Sie ist jedoch faktisch unverzichtbar: Viele Campingplätze (v. a. in Frankreich und den Niederlanden), Vermieter und Versicherungen fordern den Nachweis. Bei einem Schadensfall ohne gültige Prüfbescheinigung können Versicherungen die Leistung kürzen.
Welche Gasflasche ist für den Winter am besten geeignet?
Für den Winterbetrieb eignet sich ausschließlich Propangas oder ein propanreiches Gemisch. Propan bleibt bis ca. –42 °C vergasungsfähig und liefert auch bei Minusgraden zuverlässig Druck. Butan versagt bereits unter dem Gefrierpunkt und ist für Wintercamping nicht geeignet.
Was kostet ein Gaswechsel und wo kann ich meine Gasflasche tauschen?
Tauschflaschen (z. B. Campingaz, Primagaz) sind an vielen Tankstellen, Baumärkten und Campingfachhändlern erhältlich. Die Kosten variieren je nach Füllmenge und Anbieter. Als Orientierung: Eine 11-kg-Propan-Tauschflasche kostet als Richtwert zwischen ca. 20 und 35 Euro. Details zum Flaschentausch erklärt unser Artikel Gasflasche wechseln & Gasverbrauch.

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